Momente der Entschleunigung

Gestern mit dem Auto in Hannover auf dem Schnellweg: Ich bin viel zu spät dran. Mist! Schon wieder eine rote Ampel. Als die Ampel endlich auf grün springt, scheint der Typ vor mir eingeschlafen zu sein. Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich ans Ziel. Aber wo kann man hier parken? 20 Minuten später und 1,5 km von meinem Ziel entfernt finde ich schließlich den begehrten Abstellplatz für mein Fahrzeug.


Während des nun fälligen Fußweges schießt es mir in den Kopf: Habe ich eigentlich in der letzten halben Stunde überhaupt gelebt? Oder war gar keiner da?

Wenigstens bin ich in guter Gesellschaft. Zeit ist bekanntermaßen für die meisten Menschen in den Industrieländern knapp. Mangelware. Alles muss schneller werden. Wir reisen im ICE - oder noch besser im Flugzeug. Währenddessen checken wir eMails im Smartphone und versorgen den Körper gleichzeitig mit irgendeinem Fast Food. Im Kopf sind wir aber schon lange viel weiter und planen, was wir noch alles erledigen müssen.

 

Mit diesem Express-Takt liegen wir voll im Trend. Nehmen wir z.B. die Börse. Früher wurden die Aktienkurse einmal am Tag festgelegt. Inzwischen übernehmen diesen Job längst Computer - und zwar in Millionstel Sekunden - zigtausende Male am Tag!! So werden die Aktien der großen, börsennotierten Unternehmen im Mikrosekundentakt gekauft und wieder verkauft. Menschen sind dazu längst viel zu langsam. Computer bei den Brokern übernehmen die Entscheidungen.  Da kann einem schon schwindelig werden.

 

Den Rest des Weges gehe ich nur noch. Schritt für Schritt. Fühle meinen Atem und den Weg unter meinen Füßen. Spüre den Wind und die Dezemberkälte. Mehr ist nicht zu tun. Heute nennt man das wohl Entschleunigung.

 


7 weitere Übungen für den Alltag


Mir fallen einige praktische Übungen ein, die ich meinen Klienten oft gebe, um sich aus dem Mangel von Zeit zu erheben:

  1. Singen! Einfach nur so: Eine Melodie, ein paar Töne oder ein kleines Liedchen summen.
  2. Drei bewusste Atemzüge lang das Wunder der eigenen Existenz bestaunen.
  3. Dem nächsten Menschen, dem man begegnet, für einen Moment wirklich in die Augen zu schauen.
  4. Wenn das Telefon klingelt: Einen tiefen, bewussten Atemzug tun, bevor man den Hörer abnimmt.
  5. Den Partner oder einen anderen lieben Menschen umarmen und dabei möglichst präsent sein.
  6. Egal was auch immer ist: Etwas finden, wofür ich jetzt Dankbarkeit empfinden kann.
  7. Mich in diesen Moment "hineinsetzen": Fünf Atemzüge lang auf meinen Atem lauschen und beim Ausatmen das Körpergewicht an den Stuhl oder an den Boden ganz abgeben und 

Jemand hat das einmal mit zwei Worten zusammengefasst: "Just be." Einfach da sein.

 

Mit 40 oder 50 ist die ursprünglich Lebensenergie weitestgehend verbraucht, die uns mit in die Wiege gelegt wurde. Wenn wir trotzdem unbeirrt weitermachen im "Funktionier-Modus" oder "Getrieben-Sein-Modus", steuern wir auf Burn-Out zu - oder Magen-Darmprobleme, Schwindel, Tinitus, Herzinfarkt, Depressionen, ...

Es wird Zeit, seine eigene Quelle von Lebenskraft zu finden und den "Stecker" in die Steckdose zu stecken.


Lasst uns zu einem Virus der Gegenwärtigkeit werden! Lasst uns andere anstecken mit unserem Einfach-Hier-Sein  - sogar in der besinnlich-hektischen Adventszeit!